Bildungsstreik – Halle/Saale

Bildung revived!

Audimax der MLU besetzt!

Posted on | November 18, 2009 | 25 Comments

Pressemitteilung

Der heisse Herbst der Bildung – Audimax der MLU von Studierenden zurückerobert

Wir, Studierende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle, haben am Abend des 18. November 2009 das Audimax der MLU besetzt, um unseren Unmut über die Bildungsbedingungen Ausdruck zu verleihen und ein deutliches Zeichen zu setzen, dass wir unsere Hörsäle nicht kampflos der Ökonomisierung an deutschen Hochschulen überlassen werden. Die chronischen Unterfinanzierung der Hochschulen und die willkürlichen, andauernden Umstrukturierungen des Hochschulraumes unter dem Label „Bologna“ machen, uns Studierenden, ein lehrreiches und selbstbestimmtes Studium unmöglich.

Wir nehmen die Entmündigung nicht mehr hin, die mit der Immatrikulation einhergeht.

Wir wollen uns eigene Schwerpunkte setzen können, statt oberflächlichen Einheitsbrei präsentiert zu bekommen. Wir wollen uns unseren Studienplan thematisch nach unseren Interessen und Neigungen selbst zusammenstellen können und die Zeit haben uns intensiv mit den Thematiken auseinander zu setzen.

Zwölf bzw. dreizehn Jahre Disziplinierung im deutschen Schulsystem sind mehr als genug und müssen nicht an den Hochschulen fortgesetzt werden. Wissenschaftliche Bildung, egal in welchen Fachbereich, kann nicht nach dem fremdbestimmten schulischen System funktionieren und ebenso wenig nach betriebswirtschaftlichen Methoden. Eigenständiges kritisches Denken und Hinterfragen lässt sich nicht quantitativ bestimmen und auch nicht in €uro ausdrücken.

Bildung ist kein Produkt und wir sind keine Konsumenten. Genauso wenig wie unsere DozentInnen und ProfessorInnen VerkäuferInnen von Wissensständen sind. Bildung lässt sich nicht stumpfsinnig auswendig lernen, bei Bedarf abrufen und einsetzen. Bildung ist mehr, ein öffentliches, ein humanitäres Gut, welches jeden Menschen frei zu Verfügung stehen muss.

Wir verstehen und teilen den Unmut unserer KommilitonInnen an den anderen Universitäten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, England, Albanien und in allen anderen Ländern, in denen sich Protest regt. Wir schließen uns diesem Protest an. Wir sind kein Humankapital, welches mensch investieren kann und der Wirtschaft widerstandslos und gleichförmig zur Verfügung steht. Wir sind Menschen. Menschen, die für das Recht auf freie und unbedingte Bildung eintreten.

Für eine unbedingte Universität an der nichts außer Frage steht!

BesetzerInnen des Audimax der MLU Halle 18.11.2009

Comments

25 Responses to “Audimax der MLU besetzt!”

  1. Erik
    November 18th, 2009 @ 23:58

    Auch wenns heute mit dem Telefonat nicht so ganz geklappt hat: Gratulation zur Besetzung, macht weiter so!
    Solidarische Grüße aus dem besetzten? – befreiten!! Salzburg!

  2. Dingofunk
    November 19th, 2009 @ 01:14

    Moin moin ihr eifrigen Streiker ;)

    Winkt mal in den Livestream und zeigt eure Durchhaltekraft !

    Wenn sich nichts ändert, wird dafür gesorgt, dass sich was ändert.

  3. Karl Unruh
    November 19th, 2009 @ 01:42

    Eure Erklärung gefällt mir. Sie beinhaltet zwar keine “konkreten” Forderungen, aber sie bringt damit viel deutlicher ein starkes Unbehagen zum Ausdruck, das weit mehr als nur Universitäten und Bildungssektor betrifft. Das Diktat der Ökonomisierung von Denken, Geist und Kreativität, die Unterordnung des lebendigen Menschseins unter das Primat der Verwertbarkeit stößt an seine Grenzen, wenn wir ihm Grenzen setzen.

    Lasst euch nicht sagen: das ist doch nur Utopie. Auch wenn ihr Aktiven jetzt. wie an den anderen Unis auch, nur eine Minderheit seid, auch wenn es Niederlagen geben wird. Es ist notwendig und richtig, was ihr tut.

    Reclaim your live!

    Grüße und alles Gute aus Eurer Partnerstadt Karlsruhe

  4. Christoph
    November 19th, 2009 @ 08:25
  5. Julia
    November 19th, 2009 @ 10:00

    Auf der Vollversammlung gestern waren die Lager zwischen besetzten oder nicht, und wenn ja, sollte es dann der Hörsaal sein, ziemlich gespalten!
    Bei einer WG-Diskussionrunde heut morgen, kam der Vorschlag auf, die Straßenbahn zu besetzen? 2 zentrale Linien überfüllen für ein-zwei Tage würde schon reichen, auf diese weise erreicht der Protest alle! Fahrkarten haben wir, ob semesterticket oder Freizeitticket…

  6. Wider dem Vergessen
    November 19th, 2009 @ 10:50

    “[...] anderen deutschen Universitäten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, England, Albanien [...]” – Heim ins Reich oder was? Das haben wir doch wohl vor einigen Jahrzehnten hinter uns gelassen. Vielleicht könntet Ihr mal etwas mehr Sprachgefühl walten lassen.

  7. pressthebutton
    November 19th, 2009 @ 11:33

    Wo kann man sich auf die (Warte)liste für die Zugtickets am 24.11. von Halle nach Leipzig eintragen? Kann man bei Euch vorbei kommen? Wann? Wo?

  8. Nina
    November 19th, 2009 @ 13:20

    Wann hört der Quatsch endlich auf?

  9. Orenda
    November 19th, 2009 @ 13:49

    Bleib stark! Bleibt dabei! Ein Hoch auf die Besetzer!!! *applaudier*

  10. admin
    November 19th, 2009 @ 14:16

    Berechtigter Einwand, der wohl nur auf Müdigkeit zurückzuführen ist. Wir entschuldigen uns zu tiefst und berichtigen es sofort!

  11. Gerhard Müller-Lang
    November 19th, 2009 @ 20:21

    Toll – die Studenten leben noch! Macht weiter so, im Namen der ENTWICKLUNG!

  12. Simone
    November 19th, 2009 @ 21:41

    Ganz toller Text, man könnte fast denken, ihr hättet Derrida wirklich gelesen. Aber das Gequatsche
    von der Bildung als Produkt ist wirklich nicht auszuhalten. Als wenn das jemals anders war.

  13. Georg
    November 20th, 2009 @ 00:31

    Ah endlich gehts los. Ich schau morgen nach der Arbeit mal vorbei. Durchhalten und weitermachen.

  14. Feind
    November 20th, 2009 @ 17:01

    Euch sollte man alle exmatrikulieren! Dann braucht sich auch niemand mehr über zu volle Hörsäle beschweren! Anderen die Möglichkeit zum Lernen nehmen, echt armselig!

  15. Symptisant
    November 20th, 2009 @ 20:31

    @ Feind
    Wir nehmen niemanden etwas weg. Wir schaffen einen Freiraum. Einen Raum, in dem sich jeder seine Bildung nehmen kann wie er will. Und: Was genau willst du in der Vorlesung? Warum gehst du dahin? Um genau das, was der Professor sagt, auswendig lernen, für die nächste Klausur? Wirklich? Oder pisst es dich nur an, dass wir “deinen” Raum besetzen? Typisches menschliches Revierverhalten?
    Warum nicht einmal einen anderen Weg einschlagen: Da drüben, ist eine riesige Bibliothek, mit abertausenden von Büchern. Schau sie dir an, in einigen stehen genau die Sachen, die du brauchst. Hier werden auch einige deiner Kommilitonen anwesend sein, die dir wohl gerne auch helfen werden. Und auch die Menschen in deinen Semester können eine große Hilfe sein. Und da gibt es ein riesiges Netz, auf das man von komischen grauen Kästen her Zugriff haben kann. Es gibt so viele Möglichkeiten.
    Es ist der Klausur egal, woher du dein Wissen hast. Wichtig ist nur, dass du das weißt.
    Weißt du was es heißt zu studieren?

  16. Georg
    November 20th, 2009 @ 21:59

    Vorallem, es gibt Ausweichräume die die Uni bereitstellen kann, aber da liegt es an den Studenten die Professoren zu überzeugen, sich um einen Ausweichraum zu kümmern.

    Und wenn dies nicht geht, weil es keine anderen Räume gibt, ist dies nur eine Bestätigung wie erbämrlich es um unsere Uni und den gesamten Bildungssektor steht.

    Du könntest auch zu den Sitzungen kommen und dich beteiligen. Hast du gegen die Besetzung gestimmt? Wenn nein, wäre beschweren sehr undemokratisch.

  17. Mo
    November 21st, 2009 @ 22:37

    Ihr hattet mal gemeint, dass ihr auch was für das “United Video Project” aufgenommen hättet.

    Wo finde ich denn das Material?

    SoliGrüße aus Marburg ~

    PS: http://emancipating-education-for-all.org/content/united-video-project

  18. trebor
    November 22nd, 2009 @ 22:54

    @Mo. Sry, weiß leider nicht was du meinst.

  19. admin
    November 23rd, 2009 @ 17:17

    @mo: scheiße, total verpeilt. das liegt immernoch in avi form irgendwo rum und jedes mal wenn ich sie zu mindest hochladen will, streikt mein wlan.. :/

  20. Nepomuk
    November 23rd, 2009 @ 21:40

    Wir wollen niemandem die Möglichkeit zum lernen oder gar studieren nehmen sondern bessere Bedingungen für alle erwirken, damit jeder das lernen kann was er will. Wenn es zu Unannehmlichkeiten kommt bitten wir das zu entschuldigen und mit Nachsicht, Verständnis und Unterstützung für eine besser Bildung einzustehen. Nur wer mitmacht kann was verändern.

  21. Sascha
    November 25th, 2009 @ 20:03

    Gruesse aus Nothingham,
    Trent University.

    Macht weiter, ignoriert die Taschentraegerfraktion, die was von ihrem Recht auf Vorlesungsschlaf faseln. Gebt nicht auf, sondern gebt Gas!
    Wahnsinn wieviel Unis in Deutschland bereits besetzt sind, glaube ueber 50 und jeden Tag kommen mehr hinzu, als welche geraumt werden.

    Und macht es doch Giessen nach, die besetzen gerade 10 Hoersaelle.

    one a move

  22. Roman
    November 27th, 2009 @ 10:39

    so langsam müsst ihr dann aber in den konstruktiv Modus umschalten, macht einen Runden Tisch, schaut, was der akademische Mittelbau mit euch für gemeinsame Schnittmengen hat. ladet auch die Prof. Fraktion ein, arbeitet ein Konzept zur finanziellen Umsetzung der benötigten Mittel aus und vernetzt euch mit Gewerkschaften und anderen NGOs, um schlussendlich der Landesregierung nicht als einzelne Stimme gegenüberzutreten, sondern zeigt, dass eure Belange einen großteil der Landesbevölkerung betrifft. und dann geht los und vernetzt euch sozusagen als Organ der streikenden deutschlandweit und tretet direkt an die bundesregierung heran.
    vergesst nicht, das dogma der restriktiven haushaltspolitik gilt nicht mehr und bildung ist keine laufende kost, sondern eine rentable investition in die zukunft. wer das ablehnt, kann nicht weiter als bis zur nächsten legislaturperiode denken.

  23. Sascha
    November 27th, 2009 @ 14:08

    Hier geht es um mehr als nur um Verteilungskämpfe, daher verstehe ich nicht warum Roman konstruktiv sein will und zumal von welchem Standpunkt aus. Appellpolitik, wie auch Eliteproteste wären total daneben. Schnittmengen mit dem Mittelbau bestehen doch längst, der Personalrat hat sich auf unsere Seite gestellt und begrüßt die Besetzung. Es geht nicht darum aufzugeben und wieder berechenbar für die Politik zu werden, sondern darum den nächsten Schritt zu gehen und nun Fachbereichs- und Institutsvollversammlungen einzuberufen und den Streik auf alle Ebenen der Uni zu tagen. Genau dies geschieht gerade an anderen Unis! Es ist längst überfällig.

    Alles hat seine Zeit, Runde Tische, die wir vor zwei Monaten erfolgreich initiierten, werden uns jetzt witziger Weise von denen entgegengehalten, die damals wie heute mit unserem Vorgehen nicht verstanden sind. Um was geht es also den sogenannten Kritikern?
    Nicht alle Kritiker sind gleich, sicher gibt es ehrliche und du Roman bist wahrscheinlich ein solcher, doch versteh, dass wir sind von diesen Vorschlägen irritiert sind, denn uns werden unsere Erfolge entgegengehalten und wir hätten die Arbeit nicht die Kritiker. Doch wir werden der Erreichung unserer Ziele nicht auf das effektivste Mittel verzichten und das lautet zur Zeit Besetzung. Zumal über 80 Hochschulen besetzt sind. Sorry, aber die Audimax- Bewegung existiert nicht nur in Halle.
    Wir wollen die Verhältnisse umschmeißen, den sie sind unerträglich. Die Krise der Uni ist Teil der weltweiten ökonomischen Krise, daher unsere generellen Forderungen:

    Es geht uns um das Recht auf Bildung für alle, Schluss mit allen Formen von Zugangsbeschränkungen!

    Es geht um den aufrechten Gang, Schluss mit der Entmündigung einer ganzen Generation von Studierenden! Weg mit den Anwesenheitslisten!

    Es geht um Solidarität, Schluss mit Langzeitstudien-, Lehrmittel- und Lernmittelgebühren!
    und vieles mehr…

    Eines von vielen Hilfsmitteln zur Erreichung unserer Ziele ist die Haushaltskonsolidierung der MLU. Jedoch wäre eine Fixierung auf nur Haushaltsfragen eine Verkürzung unserer Anliegen.
    Daneben gibt es noch viele weitere Forderungen, im großen wie im kleinen,

    den Du bist die Uni!
    one a move
    sascha

  24. Roman
    November 27th, 2009 @ 14:45

    danke für den post sascha!
    ein aspekt möchte ich noch anbringen. und zwar ist es klar, dass es nicht nur um haushaltspolitik geht. Das Problem ist, dass ihr von der politik in eine forderungshaltung gedrängt werdet, die entweder bei zu niedrig gepokert angenommen werden kann (loose) oder ihr pokert in den augen der exekutive zu hoch, dann wird es als unrelistisch abgelehnt (loose). Ihr seid ohne die exekutive zu integrieren verdammt dazu zu verlieren. weil ihr nicht über das geld verfügen könnt. Deshalb solltet ihr die Logik, nämlich dass nur die Exekutive vernünftig mit Geld umgehen kann umdrehen. Genauso mit den Forderungen der Demokratisierung der Hochschulen, der Bologna Reform-Reform usw. Ihr müsst zeigen, dass ihr diese Arbeit ohne Probleme besser machen könnt! Womit nämlich dann die Exekutive in Zugzwang gerät. Und die Möglichkeit zur Offenlegung ihrer Handlungsmotivation besteht. Womit allen geholfen wäre.
    Aber lasst euch nicht auf die nur protestierenden Studenten beschränken, ihr seid die nächste Generation und warum sollten die alten alles besser wissen?

  25. Valerie
    November 30th, 2009 @ 01:01

    Ich verstehe, was du meinst Roman, aber ich denke nicht, dass es nur loose oder loose gibt. Wenn wir den Druck aufrecht erhalten oder noch Verstärken (wozu wir einfach noch jeden brauchen, der nicht zur den Schweigenden gehören will), dann haben wir durchaus Chancen Forderungen durchzusetzen.
    Allerdings ist es vielleicht auch keine schlechte Idee das ganze von der Seite anzugehn, dass man sagt: “Wir können das besser.” allerdings fehlen us dazu sowohl das explzite Wissen, als auch die Personelle Hilfe.

Leave a Reply